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Appell für ein zeitgemässes Sexualstrafrecht

 

Ein Jahr nach dem historischen Frauenstreik vom 14. Juni 2019 lancieren über 50 Organisationen  darunter auch FemWiss  und 130 Persönlichkeiten aus Justiz, Politik und Kultur den nationalen Appell für ein «zeitgemässes Sexualstrafrecht». Sie rufen zu einer raschen und umfassenden Gesetzesreform in der Schweiz auf, die einen besseren Schutz vor sexueller Gewalt garantieren soll.

 

Hier entlang geht es zur Medienmitteilung und zur Kampagnenseite.

 

Wann, wenn nicht jetzt? Frauen* zählen!

 

Die Corona-Krise stellt uns alle vor ungeahnte Herausforderungen: Gesellschaftlich, wirtschaftlich, sozial. Auch wenn die schlimmsten Befürchtungen nicht eingetroffen sind, wird uns das Virus noch lange beschäftigen. Wir müssen uns mit der Frage auseinandersetzen, wie wir die akuten Folgen der Krise bewältigen können. Wir müssen uns aber auch mit der Frage auseinandersetzen, welche Lehren wir aus der aktuellen Situation ziehen können.

 

Wir, die unterzeichnenden Organisationen dieses Briefes, vertreten Millionen Frauen* in der ganzen Schweiz. Wir wenden uns mit einem dringenden Appell an den Bundesrat und das Parlament: Die Frauen* reden mit ihren Forderungen bei der Bewältigung dieser Krise mit.

 

Covid-Überbrückungsfonds: Offener Brief an den Bundesrat

 

Die Corona-Krise trifft zwar die ganze Gesellschaft – besonders hart aber die prekär Angestellten, die von den bisher beschlossenen Unterstützungsmassnahmen des Bundes ausgeschlossen sind; z.B. Hausangestellte, Betreuerinnen in Privathaushalten, Sans-Papiers, Scheinselbständige oder entlassene Mitarbeitende ohne Arbeitslosenentschädigung. Schon während gewöhnlichen Bedingungen leben sie oft am Existenzminimum; aktuell können sie weder Entschädigungen der Arbeitslosversicherung noch der Erwerbsersatzordnung (EO) beanspruchen.

 

Die Unia und rund zwei Dutzend Organisationen, darunter FemWiss, fordern Bund und Kantone dazu auf, die notwendigen Mittel für einen Covid-Überbrückungsfonds bereitzustellen. Er soll Personengruppen, die von den bisherigen Unterstützungsmassnahmen ausgeschlossen sind, einen sozialen und wirtschaftlichen Schutz gewährleisten.

 

Der offene Brief an den Bundesrat für einen Covid-Überbrückungsfonds findet sich hier.

 

Symptomatischer Ausnahmezustand

 

Die soziale und ökonomische Krise, in der wir uns befinden, bringt keine unbekannten Ungleichheiten hervor – aber sie verschärft die bereits bestehenden massiv. Anders gesagt: Der Ausnahmezustand ist eine Belastung für viele Menschen. Doch nicht für alle hat sie dieselben Auswirkungen. Am existenziellsten trifft es jene, die dem systemischen Würgegriff auch vor der Krise bereits am stärksten ausgeliefert waren. So ist es beispielsweise fatal, dass bei der Definition der Risikogruppe ausschliesslich Menschen mitgedacht werden, deren Überlebenschancen aufgrund einer Infektion mit dem Coronavirus verhältnismässig geringer sind. Denn es gibt zahlreiche andere Risiken, die in der aktuellen Situation lebensbedrohlich werden können. Und zwar nicht nur durch das Virus selbst, sondern durch die Massnahmen zur Eindämmung.

 

Dass der Kapitalismus blutige Opfer verlangt, ist ebenso alt wie aktuell. Der Diskurs im Mittelpunkt der Krise bewegt sich also in erster Linie zwischen Wirtschaft retten und Leben retten – während sich das eigentliche Epizentrum einzig aus der Angst vor dem Ende des neoliberalen Traums zu nähren scheint. Und zwangsläufig passiert dieser Diskurs entlang von vergeschlechtlichten, rassistischen und klassenspezifischen Grenzen. Soweit so schon da gewesen. Denn die patriarchale und kapitalistische Wertschöpfung ist im Kern unsolidarisch: Sie stellt Profit vor Leben. Und dieses Leben vor jenes. Sie bringt nicht nur Ausbeutung hervor, sie ist auch darauf angewiesen. Und darauf, dass nicht alle gleich ausgebeutet werden. Mit anderen Worten: Die Corona-Krise ist das Symptom dessen, was wir als Normalzustand bezeichnen. Und zu diesem Normalzustand können wir nicht zurück wollen. 

 

Zum vollständigen Text Symptomatischer Ausnahmezustand geht es hier entlang. Er entstand anlässlich des 1. Mai 2020 für die Online-Radiosendung des Gewerkschaftsbundes SUD. Er rollt die Definition der Risikogruppe von einer anderen Seite her auf und macht sichtbar, was im realpolitischen Diskurs untergeht.

 

Petition zum Erhalt des Gosteli Archivs

 

Das Gosteli-Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung muss weiterbestehen! Seit 1982 archiviert die Gosteli-Stiftung bedeutende Quellen zur Frauengeschichte: Sie sammelt Archivalien von Frauenorganisationen, Frauenverbänden und einzelnen Frauen, die die Politik, Wirtschaft, Bildung, Kultur, Gesellschaft und Familie in der Schweiz wesentlich geprägt haben. Bis heute umfasst das Gosteli-Archiv über 400 Bestände. Zudem baute die Gosteli-Stiftung eine historische Bibliothek mit grosser Broschürensammlung auf und macht Quellenverzeichnisse digital zugänglich. Damit avancierte das Gosteli-Archiv zum zentralen Dokumentations- und Forschungsort der Schweizer Frauen- und Geschlechtergeschichte. 

 

Wir fordern gemeinsam mit Forscher*innen und Interessierten der Frauen- und Geschlechtergeschichte sowie der Gender Studies den Bund dazu auf, die Finanzierung und Weiterentwicklung des Archivs zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung sicherzustellen und die Fortführung des Archivs an seinem Standort in Worblaufen zu ermöglichen.

 

Für weitere Informationen und zum Unterschreiben der Petition geht es hier entlang: Das Gosteli-Archiv muss erhalten bleiben!

 

Geschlechtergleichstellung in die Agenda 2030

 

FemWiss hat den Offenen Brief an den Gesamtbundesrat zur Umsetzung von SDG 5 der Agenda 2030 zu nachhaltiger Entwicklung mit unterschrieben.
Die unterzeichnenden 37 Netzwerke und Organisationen protestieren dagegen, dass die Geschlechtergleichstellung bei der Umsetzung der Agenda 2030 zu nachhaltiger Entwicklung kaum mehr berücksichtigt wird und stellen im Brief konkrete Forderungen.

 

Streik-Radio

Professionelle Radiomacher*innen von Radio RaBe, Kanal K, RaSA und Radio X solidarisieren sich mit dem Frauen*streik. Die vier Stationen senden am Freitag, dem 14. Juni 2019, gemeinsam ein kämpferisches und vielfältiges Radio-Programm – live und direkt aus den Studios und dem Berner Bundesplatz sowie mit Schaltungen in andere Städte und Orte, an denen gestreikt wird.Um euch über das genaue Programm zu informieren und vor allem, um am 14. Juni den Livestream zu hören, bitte hier entlang: www.radiofrauenstreik.ch.

 

Ehe für alle

 

FemWiss hat an der Vernehmlassung zum Vorschlag der nationalrätlichen Rechtskommission «Ehe für alle» teilgenommen.

 

Medienmitteilung Netzwerk Istanbul Konvention           

 

Das Netzwerk Istanbul Konvention fordert verstärkte Massnahmen für Prävention, Schutz und Unterstützung.

 

Amnesty International Schweiz hat am 21. Mai 2019 die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter rund 4’500 Frauen in der Schweiz zu sexualisierter Gewalt veröffentlicht. Die Zahlen sind erschreckend, sie bestätigen jedoch die Erfahrungen von Fachstellen. 59% der Frauen* haben mindestens ein Mal Belästigungen erlebt, 22% erlebten ungewollte sexuelle Handlungen und 12 % erlitten Geschlechtsverkehr gegen den eigenen Willen. Bisher fehlten solche systematische Zahlen in der Schweiz. Die Studie von Amnesty beginnt, diese Lücke zu schliessen, was vom Netzwerk Istanbul Konvention enorm begrüsst wird.

 

Mit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention (IK) hat sich die Schweiz bereits zu umfassenden Massnahmen gegen Gewalt an Frauen* und Mädchen*, und damit auch zu sexualisierter Gewalt, verpflichtet. Dazu gehören Prävention, Unterstützung/Schutz und Strafverfolgung. Nun gilt es diese umzusetzen. Das Netzwerk Istanbul Konvention unterstützt entsprechend die Forderungen der Petition an Bundesrätin Karin Keller-Sutter vollumfänglich. Bei der Umsetzung ist es wichtig, dass alle Massnahmen und Angebote für alle Betroffenen* von sexualisierter Gewalt passen und ihnen auch zugänglich sind, so wie es die IK vorschreibt (im Sinne einer diskriminierungsfreien und inklusiven Umsetzung). 

 

www.istanbulkonvention.ch

Medienmitteilung Amnesty International Schweiz vom 21. Mai 2019

 

Akademisches Manifest für den feministischen Streik             

 

Der Verein Feministische Wissenschaft Schweiz unterstützt die Forderungen im Akademischen Manifest für den Frauen*streik am 14. Juni 2019 und fordert zum Mitunterzeichnen des Manifests auf.

 

Eine Gruppe von Wissenschaftler*innen, die an Schweizer Hochschulen lehren und forschen, hat anlässlich des Frauenstreiks vom 14. Juni 2019 zusammen zwanzig Forderungen erarbeitet. Das Manifest entwickelt eine gemeinsame Vision eines gerechteren Wissenschaftsbetriebs, nimmt die andauernden Auseinandersetzungen um Geschlechterverhältnisse auf und macht sichtbar, dass es trotz positiver Entwicklungen auch an Universitäten und Fachhochschulen einer transformativen Bewegung bedarf, um Geschlecht als Benachteiligungskategorie zu überwinden. www.feminist-academic-manifesto.org

 

Gleichberechtigung. Punkt. Schluss!

 

Auf zum Frauen*streik am 14. Juni 2019: Informieren und weitersagen.

 

Netzwerk Istanbul Konvention

 

Die Schweiz ist dem Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt – kurz Istanbul-Konvention – beigetreten. Damit verpflichtet sie sich zu umfassenden Massnahmen gegen geschlechtsspezifische und häusliche Gewalt sowie für die Gleichstellung der Geschlechter. In der Umsetzung und im Monitoring schreibt die Istanbul-Konvention NGOs, Fachstellen und anderen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen eine wichtige Rolle zu. Der Grundstein für diese grosse Herausforderung ist gelegt: Vielfältige Organisationen und Fachstellen haben sich zum Netzwerk Istanbul Konvention zusammengeschlossen. Der Handlungsbedarf in der Schweiz ist gross:

 

 

Vernehmlassung zum elektronischen Mediengesetz

 

Gemeinsam mit der IG Frauen und Museum und DécadréE hat FemWiss an der Vernehmlassung zum elektronischen Mediengesetz teilgenommen.

 

Lohndiskriminierung - Rede zum 14. Juni 2018

 

Text: Mirjam Aggeler

 

Arbeit kennt kein Geschlecht. Trotzdem lebt unsere Wirtschaft von einer klaren Aufteilung in zwei Arbeitswelten: in eine männlich assoziierte Berufswelt und eine weiblich assoziierte Privatwelt. Und während sich die Frauen beharrlich weg vom Herd und zurück in die Berufswelt gekämpft haben, ist dennoch praktisch die gesamte Arbeitsbelastung durch Familie und Haushalt an ihnen hängen geblieben. Schlimmer noch: Diese sogenannt reproduktive Arbeit, angefangen bei der Kinderbetreuung, über die familiäre Altenpflege bis hin zum Ausräumen der Geschirrspülmaschine, wird in der Regel nicht einmal als Arbeit anerkannt.

 

Aber auch in der allseits anerkannten Arbeitswelt, der Erwerbsarbeit, ist Geschlechtergerechtigkeit noch lange nicht erreicht. Frauen verdienen im Durchschnitt immer noch knapp 20% weniger als Männer. Das ist nicht nur gesetzeswidrig, gar ein Verfassungsbruch, nein: Es ist auch schlicht und einfach ungerecht! Das allein sollte als Argument eigentlich genügen. Natürlich wissen wir, dass dem nicht so ist. Vielmehr wird versucht, dieses Unrecht klein zu reden. Es heisst, Zweidrittel des Lohnunterschieds sei erklärbar und deshalb nicht als Diskriminierung zu werten. Frauen verdienten beispielsweise weniger, so wird argumentiert, weil sie in Kaderstellen untervertreten seien; Frauen verdienten weniger, weil sie in schlechter bezahlten Berufen arbeiteten; Frauen verdienten weniger, weil sie im Beruf einen geringeren Erfahrungsschatz mitbrächten als Männer und öfter Teilzeit arbeiteten.

 

Eins wird dabei völlig ausser Acht gelassen. Nämlich, dass diese gesamte Argumentationslinie auf den Symptomen derselben sexistischen Gesellschaftsstruktur beruht, welche auch für das sogenannt unerklärbare Drittel des Gender-Pay-Gaps verantwortlich ist. Jenes Drittel also, welches unbestritten als Diskriminierung gewertet wird. Es handelt sich um eine Argumentationslinie, die so tut, als sei die Lohndiskriminierung das letzte Überbleibsel aus einer sexistischen Vergangenheit. Sie verschweigt die Gläserne Decke. Sie verschweigt den Zusammenhang zwischen wachsendem Frauenanteil in Berufen und sinkenden Löhnen. Und sie verschweigt die Tatsache, dass Frauen ihre Erwerbsarbeit reduzieren oder gar unterbrechen müssen, um unbezahlte Arbeit zu leisten – wenn sie denn gute Mütter, Töchter, Schwiegertöchter und Partnerinnen sein wollen. Kurz: Sie verschweigt das gesamte sexistische System, welches die Ursache für diese sogenannten Erklärungen ist. Dagegen wehren wir uns: Der Versuch, eine Diskriminierung durch andere Diskriminierungen zu begründen und dadurch nichts anderes zu tun, als sie zu legitimieren, ist eine Farce!

 

Unsere Arbeits- und Lebenswelt kann nicht feministischer werden, wenn Gleichstellungsbemühungen auf das Erfüllen einer männlichen Norm hinauslaufen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit klingt zwar toll. Aber diese Forderung reicht nicht. Denn unsere gesellschaftlichen Strukturen und unsere eingeprägten binären Rollenbilder ermöglichen es nicht allen, gleiche Arbeit zu leisten. Nein, in unserer Gesellschaft leisten Frauen und Mütter nicht die gleiche Arbeit; sie leisten eine enorme Mehrbelastung und werden dafür im Beruf schlechter, in der Haus- und Sorgearbeit gar nicht bezahlt.

 

Was wir brauchen, ist ein kompletter Kulturwandel. Denken wir Wirtschaft neu, denken wir sie umfassender und gemeinschaftlicher und sagen wir den diskriminierenden patriarchalen Mechanismen den Kampf an: Wir fordern, dass Männer sowohl in der Familien- wie auch in der Beziehungsarbeit 50% der Verantwortung übernehmen. Wir fordern eine Arbeitswelt, in der die Kompensation von Arbeit nicht nur finanziell auf Gleichheit abzielt, sondern auch auf Gerechtigkeit. Die Bewertung von Arbeit darf nicht länger nur im Hinblick auf ihren direkt messbaren finanziellen Nutzen für die Wirtschaft betrachtet werden. Und dann – nur so als Gedankenspiel – dann drehen wir den Spiess einmal um: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Sehr gerne, liebe Männer, sobald ihr bereit seid, euren Anteil an Sorge- und Beziehungsarbeit zu übernehmen!

 

Jahresbericht

 

Das Jahr 2016 war geprägt durch den Wechsel in der Geschäftsleitung. Neben der personellen Neustrukturierung wurden auch einige Geschäftsprozesse und Arbeitsbereiche neu definiert sowie die internen Kommunikationskanäle optimiert. Den gesamten Jahresbericht 2016 herunterladen.