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Lohndiskriminierung - Rede zum 14. Juni 2018

 

Text: Mirjam Aggeler

 

Arbeit kennt kein Geschlecht. Trotzdem lebt unsere Wirtschaft von einer klaren Aufteilung in zwei Arbeitswelten: in eine männlich assoziierte Berufswelt und eine weiblich assoziierte Privatwelt. Und während sich die Frauen beharrlich weg vom Herd und zurück in die Berufswelt gekämpft haben, ist dennoch praktisch die gesamte Arbeitsbelastung durch Familie und Haushalt an ihnen hängen geblieben. Schlimmer noch: Diese sogenannt reproduktive Arbeit, angefangen bei der Kinderbetreuung, über die familiäre Altenpflege bis hin zum Ausräumen der Geschirrspülmaschine, wird in der Regel nicht einmal als Arbeit anerkannt.

 

Aber auch in der allseits anerkannten Arbeitswelt, der Erwerbsarbeit, ist Geschlechtergerechtigkeit noch lange nicht erreicht. Frauen verdienen im Durchschnitt immer noch knapp 20% weniger als Männer. Das ist nicht nur gesetzeswidrig, gar ein Verfassungsbruch, nein: Es ist auch schlicht und einfach ungerecht! Das allein sollte als Argument eigentlich genügen. Natürlich wissen wir, dass dem nicht so ist. Vielmehr wird versucht, dieses Unrecht klein zu reden. Es heisst, Zweidrittel des Lohnunterschieds sei erklärbar und deshalb nicht als Diskriminierung zu werten. Frauen verdienten beispielsweise weniger, so wird argumentiert, weil sie in Kaderstellen untervertreten seien; Frauen verdienten weniger, weil sie in schlechter bezahlten Berufen arbeiteten; Frauen verdienten weniger, weil sie im Beruf einen geringeren Erfahrungsschatz mitbrächten als Männer und öfter Teilzeit arbeiteten.

 

Eins wird dabei völlig ausser Acht gelassen. Nämlich, dass diese gesamte Argumentationslinie auf den Symptomen derselben sexistischen Gesellschaftsstruktur beruht, welche auch für das sogenannt unerklärbare Drittel des Gender-Pay-Gaps verantwortlich ist. Jenes Drittel also, welches unbestritten als Diskriminierung gewertet wird. Es handelt sich um eine Argumentationslinie, die so tut, als sei die Lohndiskriminierung das letzte Überbleibsel aus einer sexistischen Vergangenheit. Sie verschweigt die Gläserne Decke. Sie verschweigt den Zusammenhang zwischen wachsendem Frauenanteil in Berufen und sinkenden Löhnen. Und sie verschweigt die Tatsache, dass Frauen ihre Erwerbsarbeit reduzieren oder gar unterbrechen müssen, um unbezahlte Arbeit zu leisten – wenn sie denn gute Mütter, Töchter, Schwiegertöchter und Partnerinnen sein wollen. Kurz: Sie verschweigt das gesamte sexistische System, welches die Ursache für diese sogenannten Erklärungen ist. Dagegen wehren wir uns: Der Versuch, eine Diskriminierung durch andere Diskriminierungen zu begründen und dadurch nichts anderes zu tun, als sie zu legitimieren, ist eine Farce!

 

Unsere Arbeits- und Lebenswelt kann nicht feministischer werden, wenn Gleichstellungsbemühungen auf das Erfüllen einer männlichen Norm hinauslaufen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit klingt zwar toll. Aber diese Forderung reicht nicht. Denn unsere gesellschaftlichen Strukturen und unsere eingeprägten binären Rollenbilder ermöglichen es nicht allen, gleiche Arbeit zu leisten. Nein, in unserer Gesellschaft leisten Frauen und Mütter nicht die gleiche Arbeit; sie leisten eine enorme Mehrbelastung und werden dafür im Beruf schlechter, in der Haus- und Sorgearbeit gar nicht bezahlt.

 

Was wir brauchen, ist ein kompletter Kulturwandel. Denken wir Wirtschaft neu, denken wir sie umfassender und gemeinschaftlicher und sagen wir den diskriminierenden patriarchalen Mechanismen den Kampf an: Wir fordern, dass Männer sowohl in der Familien- wie auch in der Beziehungsarbeit 50% der Verantwortung übernehmen. Wir fordern eine Arbeitswelt, in der die Kompensation von Arbeit nicht nur finanziell auf Gleichheit abzielt, sondern auch auf Gerechtigkeit. Die Bewertung von Arbeit darf nicht länger nur im Hinblick auf ihren direkt messbaren finanziellen Nutzen für die Wirtschaft betrachtet werden. Und dann – nur so als Gedankenspiel – dann drehen wir den Spiess einmal um: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Sehr gerne, liebe Männer, sobald ihr bereit seid, euren Anteil an Sorge- und Beziehungsarbeit zu übernehmen!

 

Und ewig putzt die Frau

 

Wie können wir Familien- und Erwerbsarbeit gerechter verteilen? Was brauchen moderne Eltern? Elternzeit oder Krippenplätze sind zwar wichtige Ziele. Aber sie allein verändern kaum etwas an der traditionellen Rollenverteilung.

 

Text: Franziska Schutzbach

 

Das Ideal moderner heterosexueller Eltern, sich die Betreuung der Kinder gleichberechtigt zu teilen, ist seit vielen Jahren im Gespräch. Skandinavische Länder wie Schweden haben die bezahlte Vaterschaftszeit bereits in den 1970er Jahren eingeführt. Dass Mütter und Väter sich die Elternzeit teilen, wird von verschiedenen Seiten als hoffnungsvolles Modell angesehen. Die Gesamtidee scheint logisch: Wenn wir eine ausgeglichenere Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern erreichen wollen, reicht es nicht aus, Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Zusätzlich müssen Männer Familienarbeit übernehmen. Aber wie weit sind wir mit der Umsetzung dieses Ideals? Hier weiterlesen.

 

FemInfo_45 / Erstpublikation in der Annabelle, 12/2009

 

Jahresbericht

 

Das Jahr 2016 war geprägt durch den Wechsel in der Geschäftsleitung. Neben der personellen Neustrukturierung wurden auch einige Geschäftsprozesse und Arbeitsbereiche neu definiert sowie die internen Kommunikationskanäle optimiert. Den gesamten Jahresbericht 2016 herunterladen.