In Zusammenarbeit mit Nadia Brügger (StopFemizid)
129 Femi(ni)zide. So viele patriarchale Morde hat das Rechercheprojekt StopFemizid in der Schweiz seit 2020 erfasst (Stand: 25.2.2026). In der Schweiz gibt es nach wie vor keine offizielle Stelle, die Femizide aufzeichnet und analysiert. Die massive alltägliche Gewalt, welcher Frauen und queere Menschen ausgesetzt sind, ist in den vergangenen Jahren dank feministischer Grundlagenarbeit erneut verstärkt zum Thema gemacht worden. Die Begriffe «Femizid» und «Feminizid» werden innerhalb aktivistischer wie wissenschaftlicher Kreise verwendet, um Tötungsdelikte an Frauen insbesondere im Kontext von Gewalt in heterosexuellen Paarbeziehungen präzise zu benennen und auf deren politische Dimension hinzuweisen. Femi(ni)zide sind dabei nur die «Spitze des Eisbergs» der geschlechtsspezifischen Gewalt. Tötungen von Frauen geschehen in einer gesellschaftlichen Atmosphäre, die patriarchale Gewalt ermöglicht und befördert. Dem binären Geschlechterverhältnis nach, das Weiblichkeit abgrenzt und abwertet, ist Männergewalt an Frauen kein Fehler im System, sondern einer der zentralen Pfeiler des kapitalistischen Patriarchats.
Die feministische Bewegung Ni Una Menos (dt. «Nicht eine weniger») kämpft gegen Femi(ni)zide und formuliert gleichzeitig eine Utopie der
Gewaltfreiheit für alle Menschen. Dafür braucht es eine grundlegende Veränderung unserer Wirtschafts-, Lebens- und Beziehungsweisen und eine feministische Antwort auf den Umgang mit Körpern,
Kapital und Boden. Wir wollen folgende und weitere Forschungsfragen anregen: Welche (queer-)feministischen und intersektionalen Analysen braucht es heute, um Femi(ni)zide in ihrer Tragweite für
die Gesellschaft zu verstehen? Welche Methoden und Ansätze halten explizit antirassistische, abolitionistische und transfeministische Analysen bereit, an die wir anschliessen können? Welche
Begrifflichkeiten bieten sich für die präzise Analyse von Femi(ni)ziden besonders an? Welche Strategien sind zu wählen, um dem «Krieg gegen Frauen» (Verónica Gago) auch und gerade in Zeiten
antifeministischer Backlashs und faschistischer Tendenzen entschlossen und kollektiv entgegenzutreten?
Ideen/Abstracts (ca. 1’500 Z.) bis 1. September 2026
Beiträge (ca. 8’000 Z.) bis 15. Dezember 2026
Kontakt: Nina Seiler, [email protected]
Call for Papers (PDF) in DE, FR und EN
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