SEX & GENDER

 

Sexualisierte Gewalt

Das Recht der Ehemänner, nach Belieben sexuell über ihre Ehefrauen zu verfügen – auch gegen deren Willen – war lange Zeit durch das Gesetz gestützt. Erst ab 1992 galt Vergewaltigung in der Ehe als Antragsdelikt und seit 2004 gilt sie endlich als Offizialdelikt. Doch ungeachtet der neuen Rechtslage, leben wir in einer Kultur, die sexualisierte Gewalt an Frauen nach wie vor verharmlost. In diesem Kontext wird auch von Vergewaltigungskultur (Rape Culture) gesprochen. Doch nicht nur die Bagatellisierung von sexualisierter Gewalt ist charakteristisch für eine Rape Culture, sondern auch die vorherrschende Vorstellung von dieser Art Gewalt. Sogenannte Vergewaltigungsmythen sind weit verbreitet, insbesondere in Medien und Kultur, aber auch in Politik und Justiz – mit fatalen Folgen. Selbst vor unserer Vorstellung von Sexualität machen sie nicht Halt. Dieselbe Denkweise, die Männern einen aktiven, nahezu aggressiven Sexualtrieb, Frauen hingegen eine passive, nahezu duldende Rolle zuschreibt, bestimmt sowohl unser Bild der «typischen Vergewaltigung», wie auch jenes des «klassischen Geschlechtsakts». Und noch immer werden Frauen, die ihre Sexualität selbstbestimmt ausleben, oft beschimpft oder geächtet.

 

Sexismus als Hate-Crime – Teil 1

Sexismus als Hate-Crime – Teil 2

Sexismus als Hate-Crime – Teil 3

 

Sexismus

Sexismus ist die Reduktion und Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes. So einfach wie diese Definition klingt, ist es aber nicht. Dazu die niederländische Feministin, Schriftstellerin und Politikerin, Anja Meulenbelt: «Es ist auf das hierarchische Verhältnis zwischen den Geschlechtern zu verweisen. Männer als Kollektiv befinden sich in einer Machtposition gegenüber Frauen. Wenn Frauen sich gegenüber Männern diskriminierend verhalten, fehlt deshalb die Drohung der Macht.» Die zugeschriebenen Geschlechterrollen weisen Frauen* die private und Männern die öffentliche Sphäre zu.

Doch Sexismus beginnt schon in der Sprache. Während das generische Maskulinum die Norm darstellt, muss für geschlechtergerechte Sprache immer noch gekämpft werden.

Sexismus ist in unserer Gesellschaft tief verankert: Wir alle sind von diesen sexistischen Strukturen geprägt. Die #Aufschrei-Debatte in Deutschland hat aufgezeigt, wie alltäglich Sexismus ist. Der #SchweizerAufschrei hat die notwendige und längst fällige Diskussion in der Schweiz angefacht.

 

Was ist sexistisch? Und was lässt sich dagegen tun? Das Buch Sexistische Botschaften in Sprache, Text, Bild, Werbung und Film, herausgegeben von Christine Scheidegger, stellt genau diese Fragen und versammelt eine Reihe von Fachleuten, die das Thema aus ihrer jeweiligen Warte beleuchten.

 

Prostitution

Dass Prostitution das älteste Gewerbe der Welt sei, ist ein längst entlarvter Mythos. Dieser Mythos diente und dient in erster Linie dazu, einen steten männlichen Zugriff auf den weiblichen Körper sicherzustellen, um patriarchale Machtstrukturen aufrechtzuerhalten. Dieser Zugriff auf den weiblichen Körper kann mit Begrifflichkeiten wie «Liebesdienerinnen», «käuflicher Sex», «käufliche Liebe» oder Sexarbeiterinnen sehr gut etabliert werden. Prostitution bedeutet aber Ökonomisierung und Verdinglichung des weiblichen Körpers per se. Argumente, dass eine «Nachfrage» nach «käuflichem Sex» bedient wird oder gar, dass es ohne Prostitution mehr Vergewaltigungen gäbe, sind nicht haltbar. Ist diese nota bene künstlich geschaffene «Nachfrage» auch legitim? Ist sie zu verantworten? Muss diese «Nachfrage» erfüllt werden?

Auf der anderen Seite werden Frauen in der Prostitution gesellschaftlich stigmatisiert, ausgestossen und an den Rand der Gesellschaft gedrängt, während Freier lediglich Konsumenten einer «Ware» sind und keine Stigmatisierung fürchten müssen.

Beim Thema Prostitution handelt es sich um ein sehr komplexes Gebiet mit hohem Diskussionsbedarf, dem wir versuchen, Rechnung zu tragen. FemWiss setzt sich für den Schutz von Prostituierten ein, aber gegen das System Prostitution: Niemand soll seinen Körper verkaufen und kommerzialisieren müssen.

 

Ein Beruf wie jeder andere auch?

Das Märchen vom ältesten Gewerbe der Welt