BILDUNG UND WISSENSCHAFT

 

Androzentrische Wissenschaft

Der Ursprung feministischer Wissenschaft ist die Kritik am androzentrischen Wissenschaftsbegriff. Über Jahrhunderte hinweg wurde die Wissenschaft fast ausschliesslich von Männern betrieben und geprägt. Neben dem Offensichtlichen, nämlich dass die Mehrheit der Professuren von Männern besetzt ist, sind auch Herangehensweisen, Schwerpunkte und Perspektiven von einer androzentrischen Sichtweise bestimmt. Das Primat der Objektivität und Werturteilsfreiheit, welche der androzentrische Wissenschaftsbetrieb für sich in Anspruch nimmt, weisen wir zurück. Der Anspruch, objektiv und wertfrei zu forschen, ist in der Praxis schlicht nicht erfüllbar. Jegliche Forschung steht immer auch in einem bestimmten gesellschaftlichen Kontext und ist geprägt durch die Interessen und Vorurteile der Forschenden. Diese Tatsache nicht transparent zu machen, ist gefährlich. So sind Forschungsergebnisse häufig durch die Reproduktion sexistischer, rassistischer und anderer diskriminierender Denkweisen geprägt. Folglich ist es notwendig, dass sich der Wissenschaftsbetrieb reflexiv weiterentwickelt und sich nicht davor scheut, immer wieder eigene Stereotype und Vorurteile aufzudecken.

Ausserdem kritisieren wir die pseudowissenschaftliche Tendenz, geschlechtsspezifisches Verhalten biologistisch und evolutionär zu erklären: Sie bezieht gesellschaftliche Sozialisation und andere Forschungsrichtungen, die sich mit diesem Phänomen beschäftigen, nicht ein und ist deshalb nicht aussagekräftig.

 

Wikipedia

Geschichtsschreibung und deren Vermittlung beeinflussen gegenwärtige Wertvorstellungen und Rollenbilder. Es ist also alles andere als egal, wer unsere Geschichte schreibt, auch auf Wikipedia nicht. Natürlich geschiegt die digitale Wissensvermittlung nicht nur über Wikipedia. Dennoch stellt dieses enorme Onlinelexikon eine der meistzitierten und damit wichtigsten Informationsquellen im Netz dar. Der typische Wikipedia Autor* ist männlich, weiss, Mitte 30, hat studiert und bringt oft einen IT Hintergrund mit. Entsprechend sind nur 12% der Biographien auf Wikipedia jene von Frauen. Diese Tatsache bewegte FemWiss dazu, sich am digitalen Wissenstransfer zu beteiligen und diesen massgeblich feministisch zu prägen. Seit 2014 organisieren wir in Zusammenarbeit mit Wikimedia regelmässig Workshops, in denen frau* lernt, wie Artikel auf Wikipedia verfasst und bearbeitet werden können. Diese Einstiegshilfe soll mehr Autor*innen motivieren, aktiv an unserer digitalen Geschichte mit zu schreiben.