BERUFSLEBEN & ÖKONOMIE

 

Wie in allen anderen Lebensbereichen sind sexistische Strukturen auch in der Ökonomie, ja selbst in ihrer Definition, verankert. Oder wer von uns denkt beim Wort Ökonomie an den Wortsinn, den man von den griechischen Begriffen oĩkos «Haus» und nómos «Gesetz» als Führung eines Haushalts ableiten könnte? Arbeit ist weder männlich noch weiblich, dennoch wird darunter vor allem die Produktionssphäre verstanden: Die sogenannten reproduktiven Tätigkeiten, angefangen bei der Kinderbetreuung, über die familiäre Altenpflege bis hin zum Ausräumen der Geschirrspülmaschine, fallen in der Regel nicht in unsere landläufigen Arbeitsbegriffe hinein. Wertschöpfung feministisch zu denken, heisst also einerseits auch für klassische volkswirtschaftliche Kennzahlen die Anerkennung von allen Arbeitsformen zu fordern und andererseits einen kritischen Blick auf die Ausschlüsse unserer dominanten Form des Wirtschaftens zu achten.

 

Siehe dazu auch: Wirtschaft ist Care.

 

Frauen und Arbeitswelt

Geschlechtergerechtigkeit ist in der Arbeitswelt noch lange nicht erreicht: Zahlen wie der Gender-Pay-Gap zeigen, dass Frauen in der Schweiz noch immer knapp 20% weniger als Männer in vergleichbaren Positionen verdienen. Auch der prekäre Niedriglohnbereich ist stark weiblich geprägt, was nicht nur Existenzangst mit sich bringt, sondern auch ein erhebliches Armutsrisiko im Alter. Diskriminierung kann allerdings nicht nur mit gesetzlichen Massnahmen entgegen getreten werden – was unbestritten eine effiziente Schraube ist – sondern es geht auch um einen Kulturwandel. Wir treten für eine Arbeitswelt ein, in der die Kompensation von Arbeit nicht nur (finanziell) auf Gleichheit abzielt, sondern auch auf Gerechtigkeit; indem die Bewertung von Arbeit nicht nur im Hinblick auf den finanziellen Nutzen, sondern auch auf gesellschaftlichen Mehrwert (wie etwa in der Pflege) betrachtet wird.

 

Fürsorge

Kinderbetreuung ist nach wie vor Frauensache, und damit tragen Frauen weiterhin den Hauptteil des erwerbsbiographischen Risikos, als das man die Gründung einer Familie zweckorientiert mit einem Augenzwinkern bezeichnen könnte. Wir treten dafür ein, dass Elternschaft auch partnerschaftlich gedacht wird: Mögliche Verbesserungen sind der Vaterschaftsurlaub, (freiwillige) Teilzeitstellen, Job-Sharing-Modelle und leistbare Kinderbetreuung. Wir wünschen uns Väter, die 50% der Verantwortung übernehmen. Selbstverständlich ist, dass die Arbeitswelt nicht feministisch wird, wenn Gleichstellungsbemühungen auf das Erfüllen einer männlichen Norm hinauslaufen. Insofern ist es von entscheidender Bedeutung, dass feministische Forderungen für die Arbeitswelt immer auch verkrustete Rollenbilder selbst infrage stellen; und dass wir gerade in einer Zeit, deren Arbeitswelt sich durch Digitalisierung und Automatisierung grundlegend ändert, gemeinsam an der Beantwortung der Frage schmieden müssen, wie wir in Zukunft arbeiten wollen.